Das gläserne Heiligenhaus der Tonmuse

Musiksommer in Eisenberg 2017
Datum: Samstag, 19. August 2017 17:00

Veranstaltungsort: Schloss Eisenberg (Jezeří)  |  Stadt: Horní Jiřetín, Czech Republic

Bruno Kliegl - Glasharmonika
Alena Hönigová - Fortepiano
Musik von W. A. Mozart, L. van Beethoven, J. W. Tomaschek, F. X. S. von Wartensee, R. Schumann u. a.

Bruno Kliegl erzählt eine kleine Glasgeschichte:
(http://www.glasharmonika.org)

Die Glasharmonika gehört zu den Idiophonen oder Selbstklingern. Glas von geeigneter Form läßt sich durch Anschlagen oder Reiben zum Klingen bringen. Beide Spielarten werden auch in Musikinstrumenten eingesetzt.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts lassen sich in Europa solche Glasspiele nachweisen, sie werden seit Beginn des 18. Jahrhunderts vor allem in England beliebt.

Benjamin Franklin (1706-1790), als Diplomat im amerikanischen Diensten seit 1757 in London tätig, erfand um 1760 die Glasharmonika, indem er abgestimmte gläserne Schalen auf einer gemeinsamen Achse befestigte und diese durch Fußantrieb in Bewegung setzte. Durch Druck der angefeuchteten Finger auf die rotierenden Ränder der Schalen entsteht ein musikalisch brauchbarer Ton.

Reisende Virtuosen machten das neue Instrument bald auf dem Kontinent bekannt, das von zahlreichen Instrumentenmachern nachgebaut wurde, vor allem in Böhmen, Bayern und Thüringen. Am erfolgreichsten war Marianne Kirchgäßner (1769-1808), für die alle großen Komponisten ihrer Zeit eigens gewidmete Werke schrieben. Bis heute bekannt ist das Adagio Köchel-Verzeichnis Nr. 356 von Wolfgang Amadeus Mozart und sein Quintett für Glasharmonika, Flöte, Oboe und Violoncello Köchel-Verzeichnis Nr. 617.

Durch die angeblich nervenschädigende Wirkung auf den Spieler, vor allem aber durch die Verbreitung des Hammerklaviers und der im Klang konkurrierenden Physharmonika geriet das Instrument ab etwa 1830 in Vergessenheit, erst seit 1981/83 wird es wieder gebaut und gespielt.

Die Kunst, Sand in Glas zu verwandeln, ist schon sehr alt.

Den Barbaren wurde dieses Kulturgut mit dem Wachstum des Römischen Reiches zuteil. Spätestens mit dem allgemeinen Gebrauch des Glases vor den Sichtöffnungen barbarischer Behausungen hatte sich die “fenestra” in Mitteleuropa durchgesetzt, während auf den Inseln jenseits des Festlandes noch Windaugen (windows) für Frischluft sorgten.

Insofern ist es erstaunlich, daß erst für 1492 der Versuch, Glas musikalisch zu verwenden, belegt ist. Das älteste erhaltene Instrument jener Zeit ist eine Anordnung gestimmter Gläser.

Um 1700 dann hatten die Inseln den einstigen Rückstand gegenüber dem Kontinent aufgeholt und mit den musical glasses erste konzertfähige Glasinstrumente in Gebrauch. Bekannte Melodien wurden nun für Glas arrangiert. Von Christoph Willibald Gluck ist eine Interpretation mit Stücken aus Händels Wassermusik auf 26 Trinkgläsern überliefert.

Benjamin Franklin war von den musical glasses so angetan, daß er mit halbkugelförmigen, rotierenden Schalen zu experimentieren anfing. So entstand die Glasharmonika, die in Europa begeistert aufgenommen wurde, nicht zuletzt wegen der ihr zugesprochenen hypnotischen Wirkung. Bis 1830 schrieben etliche Komponisten, darunter auch heute noch bekannte wie Haydn, Mozart und Beethoven, zahlreiche Werke für Franklins Glasharmonika; etwa 400 sind heute bekannt.

 

 

 

 

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  • Samstag, 19. August 2017 17:00

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