Bachs Suiten für Violoncello solo

Musiksommer in Eisenberg 2018
Datum: Sonntag, 20. Mai 2018 17:00

Veranstaltungsort: Barockkirche Himmelfahrt der Heiligen Maria/Kostel Nanebevzetí Panny Marie v Horním Jiřetíně  |  Stadt: Horní Jiřetín okres Most, Ústecký kraj, Tschechien

Bernhard Hentrich – Barock-Violoncello (Antony Stephan Posch, 1737)

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Suite G-Dur
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuet I und II, Gique

Suite d-Moll
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuet I und II, Gique

Suite c-Moll discordable
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Gavotte I und II, Gique

Etwa 20 Jahre, nachdem diese Musik niedergeschrieben wurde, äußerte J. A. Scheibe über eine wünschenswerte Einstellung des Critischen Musikus:

Alle praktischen Musikanten aber sollen überhaupt darauf sehen, dem Sinne des Componisten gemäß zu singen und zu spielen, und folglich alle Noten rein und deutlich auszudrücken. Ich verlange deswegen gar nicht, daß ein praktischer Musikant alle Stücke, die ihm vorgelegt werden, ohne sie weiter zu kennen, gleich weg singen oder spielen soll. [...] Ich verlange vielmehr, daß er geschickt seyn soll, diejenigen Stücke, welche er durchzugehen Zeit und Gelegenheit hat, rein, deutlich, ordentlich, und mit gehörigem Nachdruck zu singen und zu spielen. Ich glaube ohnedieß, daß es nicht ohne Wunderwerk geschehen kann, ein [...] schweres Stück mit völliger Schönheit, Ordnung und Nachdruck herauszubringen, wie es dem Sinne des Komponisten gemäß ist, wie es die Eigenschaften der Schreibart, und alle übrige dazu gehörigen Umstände erfordern."

Für mich hat die Erarbeitung der Cellosuiten etwas von Bergsteigen wie noch vor 150 Jahren an sich: Man plant, man strengt sich an, riskiert auch Abstürze und was steht am Ende? Eben die Erkenntnis, dass der höchste Gipfel offensichtlich ganz woanders liegt. Das liegt wohl nur zum Teil daran, dass das originale Kartenmaterial -in diesem Fall die Handschrift J. S. Bachs- nicht mehr vorhanden ist. Über 100 Ausgaben in moderner Notenschrift gibt es inzwischen, welche sich an der erhaltenen Kopie der zweiten Frau Bachs und späteren Abschriften orientieren. Doch findet man dadurch besser den Weg? Wir können seine Sprache doch nur erahnen, die originalen Phrasierungen, Betonungen sind ja nicht erhalten. Wissen wir wenigstens, für welches Instrument? Da verlangt Bach drei verschieden Typen: zunächst ein viersaitiges, dieses jedoch in der c-Moll anders gestimmt [discordable] und schlielich in der D-Dur Suite ein fünfsaitiges Cello [a cinq cordes]. Kennen wir den Spieler der Uraufführung? Man kann sich nicht einmal sicher sein, ob die Suiten in Weimar oder erst Jahre später in Köthen entstanden sind...

Im gleichen Jahr wie Scheibes Schrift (1737) baute Antony Stephan Posch in Wien das zu hörende viersaitige Cello. Als Eigentum des Kloster vom Heiligen Hieronymus in Wien überlebte es die vielen Veränderungen, welche bei Streichinstrumenten üblich sind, relativ unbeschadet und ist heute eines der wenigen erhaltenen „Großen Celli“.

Bernhard Hentrich

 

 

Telefon
777 644 737
E-Mail
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Adresse
Kostel Nanebevzetí Panny Marie
Horní Jiřetín okres Most, Ústecký kraj, Tschechien

 

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  • Sonntag, 20. Mai 2018 17:00

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