J. J. Rösler: Sinfonie C-Dur und Klavierkonzert Es-dur

Musiksommer in Eisenberg 2018
Datum: Samstag, 11. August 2018 17:00

Veranstaltungsort: Schloss Eisenberg (Jezeří)  |  Stadt: Horní Jiřetín, Tschechien

Neuzeitige Uraufführung den orchestralen Werken vom Lobkowitz Kapellmeister J. J. Rösler.
ORCHESTER EISENBERG, dir. Jiří Sycha
Alena Hönigová – fortepiano

Johann Joseph Rösler (1771–1812)

Klavierkonzert Es-Dur (1803)
Allegro
Andantino
Allegretto - Vivace

Sinfonie C-Dur (1805)
Adagio maestoso-Allegro
Andante
Minuetto – Trio
Presto

Jiří Sycha 

Erneuerte Bilder von Julius Zeyer 
Kammermusik für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Klavier und kleines Streichorchester

 

KONZERT UND CD-AUFNAHME MIT NEU ENTDECKTER MUSIK DES BEDEUTENDEN, ABER VERGESSENEN BÖHMISCHEN KOMPONISTEN

roesler sinfonie C

Gleichzeitig mit der Edition seiner zwei Klavierkonzerte (Herausgeberin: Alena Hönigová, 2018) und mit der Digitalisierung und Bearbeitung seiner Autographe im Archiv des Prager Konservatoriums, ist es die Aufgabe dieses Projekts, Röslers Werke dem heutigen Musikleben zugänglich machen.

DER KOMPONIST

Die Aufnahme des Klavierkonzerts Es-Dur stellt ein lang verlorenes Werk des böhmischen Komponisten, Kapellmeisters und Klaviervirtuosen Johann Joseph Rösler vor, der anfangs des 19. Jahrhunderts in Prag und Wien wirkte. Obwohl er als Pianist und Komponist zu Ruhm gelangte, sogar bei dem bedeutenden Wiener Mäzen Franz Joseph Maximilian Lobkowitz angestellt war und mehr als 200 Werke hinterlassen hat, wurde sein Name nach seinem Tod schnell vergessen. Erwähnt wird er zwar in den wichtigsten Lexika des 19. Jahrhunderts, aber eingehendere Abhandlungen oder gar eine Monographie gibt es über ihn bis heute nicht. Eine Ausnahme stellt der 1. Satz seines Klavierkonzerts D-Dur dar, der ca. 1890 in den Supplementband der Alten Beethoven-Gesamtausgabe von Guido Adler aufgenommen wurde. Adler hatte einige Jahre zuvor handschriftliche Kopien der Orchesterstimmen dieses Konzertsatzes in Prag und die dazu gehörige Kopie des Klavierparts in Wien gefunden, als deren Autor Beethoven angegeben war. Den wirklichen Komponisten dieses Konzerts, Rösler, identifizierte 1925 Max Engel, als er die gedruckten Stimmen des kompletten Konzerts im Archiv des Verlagshauses J. André aufspürte. In seinem Buch Die Entwicklung des deutschen Klavierkonzerts von Mozart bis Liszt (New York: G. Olms, 1970) erörtert Hans Engel das Konzert D-Dur ausführlich und drückt auch sein Bedauern darüber aus, dass es ihm nicht gelungen war, die beiden anderen Klavierkonzerte Röslers zu finden. Weitere Neuausgaben von Werken Röslers sind rar, nur einige Lieder und eine Partita für Bläser wurden ediert.
Seine Kompositionen, die größtenteils im Archiv des Prager Konservatoriums und im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt werden, sowie sein autographer thematischer Katalog Repertorio di tutte le mie Composizioni incominciando dall´anno 1796 beweisen, dass er ein qualitätvoller, vielseitiger Komponist war und dass seine Musik verdient, im heutigen Musikleben wieder eine Rolle zu spielen.
Die meisten Informationen über sein Leben verdanken wir dem Artikel in Monatsbericht der Gesellschaft der Musikfreunde des Österreichischen Kaiserstaates (Wien: Hasslinger, 1829). Schon im 19. Jahrhundert wurde Rösler oft mit dem eine Generation älteren Kapellmeisters von Ludwigslust, Anton Rössler oder Rossetti, verwechselt. Johann Joseph Rösler wurde am 22. August 1771 in Chemnitz (im damaligen Ungarn, heute Banská Štiavnica in der Slowakei) geboren, wo sein Vater Carl Rösler als Bergrat wirkte. 1774 wurde Carl Rösler als Gubernialrat nach Prag versetzt. Vom Vater erhielt Joseph Rösler zwar die musikalischen Grundlagen, aber seine weiteren Musikambitionen wurden zu Hause nicht unterstützt. Er studierte neben seinen gymnasialen Jahren und philosophischen Studien in Prag Musik als Autodidakt. Es gelang ihm, ein so hohes Niveau in seinen praktischen sowie theoretischen Kenntnissen zu erreichen, dass ihm 1795 die Stelle des Kapellmeisters und Pianisten bei der Guardasoni Operngesellschaft in Prag angeboten wurde. Ab 1805 wirkte er weiter als Kapellmeister am Opernorchester des Hoftheaters. In Wien gewann er die Zuneigung des Fürsten Lobkowitz und trat in dessen Dienste. Schon 1810 erkrankte er (wahrscheinlich an Tuberkulose) und starb am 28. Januar 1812 in Prag. Aus zeitgenössischen Berichten wissen wir, dass mit dem talentierten Musiker auch ein liebenswerter und charaktervoller Mensch verbunden war und dass die Nachricht von seinem Tod mit großer Trauer aufgenommen wurde.
Laut Röslers eigenhändig geschriebenem thematischem Katalog sowie aufgrund der Recherchen im erhaltenen Noten-Bestand komponierte er neun Opern auf italienische und deutsche Libretti (einige wurden später ins Tschechische übersetzt), zwei Pantomimen, Melodramen und mehr als 30 Einlagen in Opern anderer Komponisten. Er schrieb zudem mindestens 80 Vokalwerke (zwei Messen, zwei Motetten, sechs Kantaten, eine Reihe von Arien, Duette, Terzette, Quartette, Lieder auf italienische und deutsche Texte). Darüber hinaus schrieb er Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, mehr als 50 Werke für Klavier oder Cembalo und eine Reihe von Transkriptionen für Tasteninstrumente.

DAS KAVIERKONZERT ES-DUR

Das Concerto in Eb per il Piano Forte wurde im June 1803 komponiert, wie auf der ersten Seite des Autographs notiert ist, allerdings fehlt hier der Name des Autors. Durch Vergleich der einleitenden Takte in der Partitur des Konzerts mit Röslers thematischem Katalog sowie durch Vergleich der Handschrift dieser beiden Quellen gelang es, das Autograph dieser lange verschollenen Komposition zu identifizieren.
Das Konzert besteht aus drei klassisch konzipierten Sätzen: Allegro in Sonatenform, Andantino und Allegro in Form eines Rondo mit effektvollem Vivace am Schluss. Die Musik verrät dem Hörer die wichtigsten musikalischen Ereignisse, die Röslers Stil formten, wie etwa die Uraufführungen des Don Giovanni oder der Clemenza di Tito in Prag, die Mozart mit der Guardasoni Operngesellschaft selber einstudiert hatte, oder Beethovens Auftritte in Prag, wo er seine Klavierkonzerte B-Dur und C-Dur spielte, die 1801 auch publiziert wurden. Rösler bereichert das Genre auf seine Art: mit wunderschönen Klavierfiguren, die den geistvollen Virtuosen mit feinem Gefühl für sein Instrument bezeugen, mit einer farbigen und oft witzigen Instrumentation, die den erfahrenen Kapellmeister erweisen, und mit dem Spiel mit den Hör-Erwartungen, die auf „klassische“ Fortsetzung gerichtet sind und dann eine Enttäuschung erfahren - den Zuhörern werden dadurch einige Überraschungen geboten.

DIE SINFONIE C-DUR

Dank dem Fragment des Autographs der Partitur (1. Satz), das sich im Archiv des Prager Konservatoriums befindet, wissen wir, dass die Sinfonie in Prag im Dezember 1805 aufgeführt wurde. Das Aufführungsmaterial in mehreren Kopien sowie Notizen von Musikern zeigen, dass diese Sinfonie anschließend mehrmals, bis späte 19. Jahrhundert, zur Aufführung kam. Für Rösler war es wahrscheinlich ein wichtiges Werk, weil es im Druck bei Jean André in Offenbach erschienen ist. Die Titelseite dieser Publikation trägt neben dem Titel Sinfonie pour 2 Violons, Alto, Basso, 1 Flûte, 2 Hautbois, 2 Cors, 2 Bassons, 2 Trompettes et Timbales (also dieselbe Besetzung wie das Klavierkonzert Es-Dur) auch die Widmung „a son amie A. Wranitzky“ (Anton Wranitzky war ein ausgezeichneter Violinvirtuose, Komponist und erster Lobkowitz-Kapellmeister. Von Beethoven wurde er sehr oft als Primarius für Erstaufführungen seiner, Beethovens Werke gefragt.) Die Sinfonie besteht aus vier Sätzen: Adagio maestoso – Allegro, Andante, Minuetto – Trio, Presto.

KONZERT UND AUFNAHME

Die orchestrale Aufführung der Werke des ehemaligen Lobkowitz-Kapellmeisters im Schloss Eisenberg ist überhaupt die erste Veranstaltung in großer Besetzung (25 Musiker) in der modernen Geschichte des Schlosses. Solche Art von Konzerten fanden hier jedoch Anfangs des 19. Jahrhunderts regelmäßig statt. Fürst Lobkowitz brachte bei seinen alljährlichen Aufenthalten in Eisenberg während der Sommermonate seine Musiker mit. Der Kern des Orchesters bestand aus seinem fest angestellten Ensemble – einem Streichquintett, bestehend aus vorzüglichen Virtuosen. Bei größeren Veranstaltungen wurde das Ensemble mit Musikern aus Wien, Dresden, Prag und Umgebung ergänzt. Regelmäßig wurden hier auch bekannte Solisten und Komponisten eingeladen.
Dieser Geist begleitet auch unsere Aufführung, bei der das Eisenberg Ensemble (Festival Residenz Ensemble) mit Musikern aus Deutschland und der Schweiz zusammen musizieren wird.
Zeitgenössische Quellen beschreiben Rösler als einen gebildeten Menschen von großer Liebenswürdigkeit. Dieses Wesen spiegelt sich in seiner Musik: Es macht Freude, sie zu spielen, und es macht Freude, sie zu hören.
Neben der Aufführung realisieren wir im Jahr 2018 auch eine CD Aufnahme von Röslers orchestral Musik. Die Historische Aufführungspraxis der Musik des frühen 19. Jahrhunderts ist in Tschechien noch weitgehend Neuland und deshalb sehr anspruchsvoll für die Ausführenden und für das Publikum. Für Röslers Musik ist jedoch dieser interpretatorische Zugang enorm wichtig, weil ihr Charakter und ihr Charme erst recht eigentlich mit dem Farbenreichtum, den Nuancen und der Flexibilität der alten Instrumente zur Geltung kommen.


So ein anspruchsvolles Projekt wäre nicht möglich ohne großzügige finanzielle Unterstützung. Unser herzlicher Dank gehört Frau Dagmar Schnabel, Frau Barbara Begelsbacher, Herr Pavel Lavička und der Kulturfonds der Tschechischen Republik. Wir wollen uns auch bei dem Verlag Bärenreiter Praha für die Ausleihung des Aufführungsmaterials bedanken.

 

Telefon
00420 724 326 031 (Herr M. Přibyl)
E-Mail
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Adresse
Státní zámek Jezeří (Schloss Eisenberg)
Horní Jiřetín, Tschechien

 

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  • Samstag, 11. August 2018 17:00

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